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18.06.10 14:33 Alter: 80 days

Urlaub für alle – ohne Barrieren

 

Sommerzeit – Urlaubszeit. In Zeiten dünner Geldbeutel besinnt sich mancher Bundesbürger auf deutsche Gefilde als Ort der Entspannung. Der Erholungseffekt wird jedoch für denjenigen deutlich getrübt, der in seiner Bewegungsfreiheit und damit leider oft auch in seinen Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt ist.

Barrierefreier Urlaub – dafür will eine bundesweite Arbeitsgemeinschaft sorgen, die nun im Fränkischen Seenland tagte. Gelenkt wird sie von Sprecherin Carmen Hildebrandt (auf der Rikscha rechts im Bild). Im Seenland hat sie emsige Mitstreiter wie Hans-Dieter Niederprüm (zweiter von rechts), Bernhard Endres (im Rollstuhl) und Ernst Birnmeyer (hinter ihm). - Foto: Leykamm

Barrierefreier Urlaub – dafür will eine bundesweite Arbeitsgemeinschaft sorgen, die nun im Fränkischen Seenland tagte. Gelenkt wird sie von Sprecherin Carmen Hildebrandt (auf der Rikscha rechts im Bild). Im Seenland hat sie emsige Mitstreiter wie Hans-Dieter Niederprüm (zweiter von rechts), Bernhard Endres (im Rollstuhl) und Ernst Birnmeyer (hinter ihm). - Foto: Leykamm

Letzteres soll sich ändern, so das Ziel einer bundesweiten Arbeitsgemeinschaft, die nun im Fränkischen Seenland tagte.

Die AG nennt sich »Barrierefreie Reiseziele in Deutschland» und will vor allem eines: »Urlaub für alle» ermöglichen. Vor zwei Jahren wurde sie an der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) gegründet. Zu den Mitgliedern zählen insgesamt sieben Regionen Deutschlands. Neben dem Fränkischen Seenland gehören die Eifel, die Stadt Erfurt, die Insel Langeoog, das Ruppiner Land und die Sächsische Schweiz dazu. Sie alle sind seit der Gründung mit dabei, in diesem Jahr neu hinzugekommen ist die Niederlausitz.

»Wir pflegen enge Kontakte zur Deutschen Zentrale für Tourismus, von der wir auch als offizieller Partner anerkannt sind», erklärte die Geschäftsführerin der Erfurter Touristik- & Marketing GmbH, Carmen Hildebrandt, als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft im Langlauer Strandhotel »Seehof». Diese Kontakte stehen dabei beispielhaft für ein großes Netzwerk, das die AG seit Jahren knüpft. Auch die Deutsche Bahn soll dort nun verstärkt eingebunden werden, so Hildebrandt beim Pressegespräch im Anschluss an eine Tagung der Gemeinschaft im Fränkischen Seenland. Alle barrierefreien Bahnhöfe in den sieben Tourismusregionen sollen ausgewiesen und in entsprechende Pauschalangebote eingebunden werden.

Dass auf diese Weise Bewegung bezüglich der oft geforderten behindertengerechten Gestaltung hiesiger Bahnhöfe kommt, erhofft sich der Gündersbacher Bernhard Endres, selbst Rollstuhlfahrer und Initiator des Arbeitskreises »Barrierefreier Urlaub im Fränkischen Seenland». Bislang nämlich gebe es zwar in Roth und Treuchtlingen barrierefreie Bahnhöfe, aber keine an den Seen selbst, gab Endres zu bedenken. Hier sei eine verstärkte Kooperation der Bürgermeister der betreffenden Kommunen mit dem Landkreis gefragt, um gemeinsam in einen ständigen Dialog mit der Bahn zu treten. Dass ein solcher nötig ist, zeige indes die Tatsache, dass sich die Situation am Pleinfelder Bahnhof in puncto Barrierefreiheit in jüngster Zeit sogar verschlechtert habe. Rollstuhlfahrern die Möglichkeiten zur Anreise in den Urlaub zu erleichtern, sei aber ein wichtiger Teil der touristischen Servicekette.

Zufrieden zeigte sich Endres über das gut genutzte Potenzial bezüglich der Unterbringung. »Bei den barrierefreien Unterkünften sind wir für Individualreisende gut aufgestellt», erklärte er auf Anfrage. Was allerdings fehle, sei ein Hotel mit mindestens zwölf barrierefreien Zimmern, um das Seenland für Pauschal-reisende und die entsprechenden Busunternehmer interessanter zu gestalten. Das verdeutlicht: Barrierefreiheit ist ist nicht nur ein sozialer Anspruch, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, worauf im »Seehof» der Arbeitskreisvorsitzende Ernst Birnmeyer hinwies. Außerdem »gibt der demografische Wandel dem barrierefreien Tourismus einen Schub». Der Bedarf in diese Richtung werde zwangsläufig steigen. Diesbezüglich sei »unsere Region einen Schritt voraus».

Mit dem Seenland sind auch die anderen sechs Mitglieder der AG derzeit drauf und dran, sich einen nicht zu unterschätzenden Standortvorteil zu erarbeiten. »Wir sind auf einem guten Weg», so Hildebrandt. Die Arbeitsgemeinschaft, der übrigens bereits vier neue Mitglieds-anträge vorliegen, drückt dabei die verschiedensten Hebel: Intensive Präsentation auf Messen und enger Kontakt zur Politik heißen zwei von ihnen. Beim Bundestagsausschuss für Tourismus ist man bereits dreimal vorstellig geworden. So sollte beispielsweise die Gewährung von Zuschüssen und Fördermitteln enger an die Barrierefreiheit als wesentliches Kriterium für die Vergabe geknüpft werden.

Bei den Messepräsentationen setzt man auf einen geschlossenen Auftritt. Dabei sollen die barrierefreien Angebote aller sieben Mitglieder unterbreitet werden. Um diese Angebote selbst gut zu kennen, hat die Gemeinschaft nun fast in jeder beteiligten Region bereits einmal getagt, nur die Niederlausitz steht noch aus. Auch im Fränkischen Seenland konnte sich die AG ein gutes Bild von der steigenden Zahl an Angeboten für einen barrierefreien Urlaub machen. »Sie summieren sich», zeigte sich auch Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tou-rismusverbands Fränkisches Seenland, zufrieden.